
Schloß Wiepersdorf ist gerettet... Lesen Sie mehr
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Am 8. November 1999 wurde Clara von Arnim in der Akademie der Künste in Berlin der Maecenas-Preis verliehen. Festredner waren Bundespräsident Rau und der Ministerpräsident von Thüringen, Dr. Bernhard Vogel. Geehrt wurde Clara von Arnim, weil sie auf alle Rückgabeansprüche zum Inventar von Schloss Wiepersdorf verzichtet hatte. Die aus dem Familienerbe stammenden Bilder und Möbel sollten in dem von ihr initiierten Museum zu Achim und Bettina von Arnim der Öffentlichkeit weiterhin zugänglich bleiben, der handschriftliche Nachlass des Dichterpaars und die wertvolle Bibliothek Arnims gingen an die Stiftung Weimarer Klassik, in der die erste historisch-kritische Achim von Arnim-Ausgabe vorbereitet wird. Bernhard Vogel dankte für das beispielhafte Engagement bei der Gründung des „Freundeskreises Schloss Wiepersdorf" und bei der Einrichtung des Wiepersdorfer Museums. Mäzenatentum könne die staatliche Kulturförderung nie ersetzen, dürfe aber - so Vogel - "keinen Vorwand für den Staat liefern, sich aus der Kulturförderung mehr und mehr zurückzuziehen." An die Preisträgerin richtete er die Worte: „Auf dem manchmal etwas holprigen Weg zur inneren Einheit leisten Sie mit Ihrem Mäzenatentum einen bedeutsamen Beitrag zur überwindung von geistigen Gräben und Missverständnissen. Ihr Engagement für die Erhaltung des literarischen Nachlasses von Achim und Bettine von Arnim und Ihr Verzicht auf eine Rückübereignung der Bibliothek und der Archivalien sind gelebte Solidarität. Das ist ein Stück gemeinsamer deutscher Kultur, ein Stück gemeinsamer deutscher Geschichte."
Kaum fünf Jahre später erfährt die deutsche Öffentlichkeit, das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf sei mangels Finanzierung in seinem Bestand bedroht. Von "gelebter Solidarität" der Neuen Länder jedenfalls, so heißt es in der Presse, könne inzwischen keine Rede mehr sein, denn die an der Stiftung Kulturfonds beteiligten Länder hätten ihren Anteil daraus zurückgezogen - zuletzt gerade Thüringen! -, sodass die tragende Stiftung Ende 2004 liquidiert wird. Und das Land Bayern habe durch seine Weigerung, der Gründung eines nationalen Kulturfonds zuzustimmen, eine alternative Lösung verhindert. Brandenburg könne jedoch mit seinem Anteil die jährlich aufzubringenden Kosten für das ihm bei der Liquidation zufallende Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf nicht bestreiten. Damit drohe die Schließung und der Verkauf von Schloss Wiepersdorf. In der Presse wiederholt verbreitete Meldungen, es habe sich inzwischen eine Lösung unter Beteiligung des Bundes gefunden, haben sich leider immer wieder als illusionäre Luftblasen erwiesen.
Schloss Wiepersdorf, einst Wohnsitz des romantischen Dichters Ludwig Achim von Arnim und seiner Ehefrau, der Schriftstellerin Bettina von Arnim, geb. Brentano, ist ein Ort von hoher literarischer und geschichtlicher Bedeutung, und zwar nicht nur in nationaler, sondern besonders in internationaler Hinsicht. Gerade auch im Zuge der europäischen Einigung gilt es, dies zu unterstreichen. In Frankreich fand Arnim seine größten Bewunderer (Théophile Gautier, André Breton). Bettina von Arnim kämpfte nicht nur für gesellschaftliche Veränderungen in Preußen, sondern setzte sich auch intensiv für die Freiheitsbewegungen in Polen und Ungarn ein. "Werden wir's erleben, daß Brüder-Nationen die Sünden einander vergeben, die ihnen eingeimpft waren? - Werden sie Festigkeit gewinnen und Vertrauen zueinander, das nicht wie leichte Spreu im Winde verfliegt?" schrieb sie in ihrer "Polenbroschüre". Im zweiten Teil ihres "Königsbuchs" trat sie 1852 entschieden für die bedingungslose Emanzipation der Juden in Deutschland ein.
Mit ihrem Erinnerungsbuch "Der grüne Baum des Lebens" knüpfte Clara von Arnim auf ihre Weise an die Tradition des historischen Dichterpaars an und weckte bei ihren Lesern großes Interesse am Schloss Wiepersdorf und seinem literarischen Erbe.
Wir rufen die deutsche Öffentlichkeit, insbesondere die an der deutschen Romantik und speziell an den Werken von Arnim und Bettina Interessierten, aber nicht zuletzt auch die Leserinnen und Leser von Clara von Arnims Buch dazu auf, mit aller Energie auf die Entscheidungsträger in der Politik einzuwirken, damit sie die vor Jahren in Bezug auf die kulturelle Wiedervereinigung Deutschlands eingegangenen Verpflichtungen einhalten, d. h. eine Liquidation von Schloss Wiepersdorf verhindern und die Mittel für den Erhalt von Schloss Wiepersdorf als internationaler kultureller Begegnungsstätte bereitstellen.
gez. Clara von Arnim
Ehrenvorsitzende des "Freundeskreises Schloss Wiepersdorf",
Ehrenvorsitzende der "Internationalen Arnim-Gesellschaft",
Mitglied der "Bettina-von-Arnim-Gesellschaft"
gez. Peter-Anton von Arnim und Dr. Wolf-Herman von Arnim
Für den "Freundeskreis Schloss Wiepersdorf" gez. Prof. Dr. Hartwig Schultz
Für die "Bettina-von-Arnim-Gesellschaft" gez. Dr. Uwe Lemm
Für die "Internationale Arnim-Gesellschaft" gez. Prof. Dr. Walter Pape
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